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Pressestimmen

(…) Jakub Józef Orliński, gerade 27 Jahre alt, ist [als Rinaldo] einmal mehr eine dieser Entdeckungen, mit denen die Oper Frankfurt so regelmäßig aufwartet. Sein Altus betört, rein und klar, so kraftvoll und beweglich, dass seine finale Arie, ein Wettstreit mit der Solo-Trompete, ein kräftiges Ausrufezeichen hinter seine Glanzleistung setzt. (…)

Axel Zibulski, Offenbach-Post


(…) Regisseur Ted Huffman und Choreograf Adam Weinert haben Georg Friedrich Händels Oper Rinaldo als Apotheose des Tanzes und der Bewegung umgesetzt, und das mit einer Personenführung, wie man sie in einer derartigen Präzision und Detailliertheit sonst nicht erlebt auf der Opernbühne. Die Bewegungsstile waren wie in einer zweiten Partitur komponiert, mit parallelen Zeitschichten und Geschwindigkeiten, kein Schritt unüberlegt, kein Fall ein Zufall.
(…) Das [Orchester] spielt in Frankfurt, wenn Barockoper auf dem Programm steht, mit großer Souveränität und Selbstverständlichkeit auf historischen Instrumenten, Naturtrompeten, Darmsaiten, die Stimmung liegt bei 415 Hertz.
(…)
Simone Di Felice ist da der richtige Mann am Pult, seit dieser Saison in Frankfurt vom Solorepetitor zum Kapellmeister aufgestiegen. Die Continuogruppe ist gut aufgelegt, man höre nur auf die fantasievolle Lauten-Begleitung in der Arie „Lascia ch’io pianga“.
Da hatte oben auf der Bühnenschräge auch Karen Vuong als Almirena ungemein geschmackvolle Verzierungen im da capo zu bieten. Sie bewegte sich an diesem Premierenabend nicht nur im Kampf um die Gunst des Ritters Rinaldo auf Augenhöhe mit der Zauberin Armida, gesungen von Elizabeth Reiter, auch stimmlich waren sich die beiden Sopranistinnen ebenbürtig. Reiters Armida: Stark in der Ekstase, stärker noch im Lyrischen, weil ihr Sopran leicht war und dennoch nicht blass. (…)
Der einzige Gast war der junge polnische Countertenor Jakub Józef Orliński, von dessen Beweglichkeit – nicht alleine der stimmlichen, vor allem auch der körperlichen – muntere Gerüchte kursieren. Erst im Sommer durfte er in Aix-en-Provence in einer Cavalli-Oper seine Kompetenz in Sachen Breakdance vorführen, jetzt war wieder seine ganze Körperbeherrschung auf dem Bühnenboden gefragt. Rollen vorwärts und rückwärts, als Teil spektakulär choreografierter Kampfszenen, lieferte der Sänger am laufenden Band, den Profitänzern dieser Produktion stand er da in nichts nach. Mit solch einem Material zu arbeiten muss für einen Opernchoreografen ein Traum sein. Wobei zu allem Überfluss auch Orliński Altstimme traumhaft ist. Sicher in den Koloraturen, bruchlos zwischen den Registern, mit enormen Ambitus gesegnet: Die Eingangsverzierung zum da-capo-Teil der Arie „Venti, turbini“ hatten alles, was einnehmenden Barockgesang ausmacht. (…)

Stefan Schickhaus, Frankfurter Rundschau


(…) In Ted Huffmans Rinaldo klingen, singen pochende Herzen. Ein musikpoetischer Geniestreich! (…)

Barbara Röder, www.klassik.com


(…) Im Bockenheimer Depot bildet die fast leere, quadratische und nach hinten ansteigende Bühne von Annemarie Woods den Schauplatz des Szenarios um den Ritter. Den Krieg zeigt Ted Huffmans Neuinszenierung immer wieder, schon im Kampf Mann gegen Mann während der Ouvertüre, in der Simone Di Felice ein drastisch akzentuiertes Händel-Dirigat ankündigt.
Bewusst spart die Regie vieles aus. Es gibt keine lebenden Vögel, deren Gezwitscher ersatzweise das Opern- und Museumsorchester übernimmt, keine Drachen, nicht einmal echtes Feuer. Und auch keinen im Heute platzierten islamisch-christlichen Kampf, der unter vordergründigem Aktualitätsbezug nur von den ganz allgemein von Händel und seinem Librettisten Giacomo Rossi verhandelten Konflikten aus Liebe, Täuschung, Machtstreben und Gewalt ablenken würde. Denn davon zeigt Huffman wiederum sehr viel, das sehr deutlich und weiß dabei zudem ein starkes Solistensextett auf seiner Seite. (…)

Axel Zibulski, Wiesbadener Kurier


(…) Wer den spektakulären Jakub Józef Orliński als Händel-Helden Rinaldo gesehen hat, kann bestens verstehen, warum die Zauberin Armida ihrem schönen Gefangenen im Handumdrehn verfällt. Denn der 26-jährige, polnische Countertenor ist nicht nur ein pointierter Barocksänger, der seine Kopfstimme und die Registerwechsel bestens im Griff hat, sondern auch ein preisgekrönter Breakdancer, dessen athletischer Body seine Pirouetten in vielen Werbefilmen rund um den Globus dreht. In Frankfurt glaubte man bisweilen, die Regie habe eine alabasterfarbene Adonis-Statue zum Leben erweckt, die lässig Kostproben ihrer akrobatischen Skills aus dem Köcher zaubert. Die Entfesselungs-Szenen mit Orliński im Zentrum und sein verzweifeltes Ringen mit der nachtschwarz gewandeten, dafür hochdramatisch auftrumpfenden Elizabeth Reiter als Armida gehörten zu den heißesten Premierenminuten des Abends. Psychologische Schärfe dieser Güte sucht auf Opernbühnen ihresgleichen. Im Zentrum zwei packende Sängerdarsteller, die aufs Ganze gehen und sich mit einer derart körperlichen Wucht in ihre Debüts werfen, dass man bisweilen das Atmen vergisst.
Der junge New Yorker Regisseur Ted Huffman gibt mit dieser, von Adam Weinert feinnervig choreografierten Arbeit sein beeindruckendes Deutschlanddebüt. (…)
(…) Hervorragende Rollendebüts gelingen auch Karen Vuong in der Rolle Almirenas, Brandon Cedel als ambivalenter Argante und Julia Dawson, die ihren langbärtigen Goffredo mit strahlkräftiger Höhe ausstattet. (…)

Bettina Boyens, Gießener Allgemeine Zeitung


(…) Am Ende gab es also fleißig Beifall zu verteilen, von dem auch die Regie völlig zu Recht minutenlang überzogen wurde.

Matthias Gerhart, Frankfurter Neue Presse

(…) Die unvermeidliche Dreiecksgeschichte, die sich (…) kammerspielartig ergibt, ist unwahrscheinlich, entwickelt punktuell aber doch einen bewegenden Tiefgang und ist mit feinem Humor gewürzt. Katharina Thomas Inszenierung ist auf der linken Bühnenhälfte naturalistisch und unverkopft. Sie lohnt den Besuch. Die Musik ist hörenswert schön und vom Museumsorchester und dem Dirigenten Rasmus Baumann ohne Kitsch dargeboten, die Sänger können ihren Stimmen den Gefallen tun, sich von ihrer besten Seite zu zeigen, und die Regie besorgt ein anregendes Kammerspiel, ohne der Handlung störende Zusatzhirngespinste aufzupfropfen. (…)

Markus Kuhn, Frankfurter Neue Presse

Es sei ganz einfach, Verdis Il trovatore zu besetzen: Man benötige dazu nur die vier besten Sänger der Welt. Das soll Enrico Caruso gesagt haben, selbst einer der besten. Und meist sind die Inszenierungen dann auch eher Feste schöner Stimmen als erhellende szenische Interpretationen. Die Oper Frankfurt hat für die Eröffnungspremiere der neuen Saison vielleicht nicht die besten Sänger der Welt, aber verdammt gute. Schlichtweg sensationell ist Elza van den Heever. Sie zeigt eine anfänglich mädchenhaft fragile Leonore, die ihr Geschick in die eigenen Hände nimmt, um sich am Ende völlig losgelöst von allem Irdischen zu opfern. Ihre Koloraturen sind agil, die vokalen Linien makellos, die Lyrismen schmerzlich- sehnsüchtig. Piero Pretti singt einen unprätentiös klagenden Manrico mit frischem Tenor, der das hohe C am Ende seiner berühmten Stretta singen darf und singen kann. (…) Brian Mulligan ist ein kerniger Luna, die kurzfristig eingesprungene Marianne Cornetti eine sichere Azucena. (…)

Bernd Zegowitz, Rhein-Neckar-Zeitung Heidelberg


(…) Vier gute, phasenweise auch sehr gute Sänger – dazu gesellten sich – mit Kihwan Sim (Ferrando) und Alison King (Leonoras Zofe Ines) – schöne Stimmen aus Ensemble und Opernstudio.
(…) Der von Tilman Michael einstudierte Chor sorgte für die berückendsten Momente des Abends, dem Nonnenchor im zweiten und, aus dem Off, dem „Miserere“ im vierten Teil. (…)

Andreas Bomba, Frankfurter Neue Presse


(…) In einem Interview deutet Bösch seine Sicht des Trovatore an, eine Verquickung aus Aktualität und Archaik, und die Rolle des Feuers. Es verbrennt, vernichtet, hypnotisiert, wärmt und lodert in den anachronistischen Figuren. Ob Graf, Troubadour, Unschuldsengel, Hysterikerin, Spießgesellen, Höriger spielt keine Rolle. Im Kern geht es um die Charaktere, besetzt vom Wahn aus entzogener Liebe, rasender Eifersucht und hasserfüllter Rache. Das rechtfertigt Böschs Idee. Er konzentriert sich auf den Konflikt zweier Gegner, die nicht wissen, dass sie Brüder sind. (…)
Am Pult des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters stand Jader Bignamini. Seine Laufbahn begann er als Klarinettist in Orchestern unter Dirigenten wie Riccardo Chailly. Seit 2010 steht er am Pult und überzeugt. Vor allem die Musiker. Auch in der Frankfurter Oper. Selten erlebte man Verdi so differenziert ausbalanciert, tiefgründend packend, dramatisch geschärft, aber auch spritzig rasant, was den gut disponierten Chor zu erhöhter Reaktionsschnelle herausforderte (…).

Christiane Franke, www.klassik.com


(…) Frankfurts Oper vollbringt ja regelmäßig Erstaunliches. Wenn dann aber eine Kandidatin für die Mezzo-Weltmeisterschaft erkrankt, wird es auch hier ganz eng. Insofern zeigte sich Intendant Bernd Loebe bei der Begrüßung des Publikums zum Saisonstart und der Ankündigung der Umbesetzung sichtlich erleichtert, die Amerikanerin Marianne Cornetti kurzfristig als Einspringerin für Tanja Ariane Baumgartner gewonnen zu haben. Noch vor ein paar Tagen habe sie in Pittsburgh die Baseball-Saison mit der Nationalhymne eröffnet. Wenn man ihr Volumen als Zigeunerin Azucena hört, glaubt man gerne, dass sie Stadien füllt. Über kleine Erosionserscheinungen wird man angesichts der Umstände weghören dürfen, zumal sie nebst mütterlichem Großformat nicht schlecht zum gebrochenen Charakter dieser tragischen Figur passen. (…)

Volker Milch, Wiesbadener Kurier


(…) Brian Mulligan gab den Luna mit edler, sonorer Stimmkraft, ohne mit dämonischen Facetten dieser Partie zu forcieren. Für die erkrankte Tanja Ariane Baumgartner war kurzfristig die versierte, gereifte Azucena-Darstellerin Marianne Cornetti aus Amerika eingesprungen, die ihren Part mit Ernst und Nachdruck absolvierte (…). Schlank und vokal beweglich der Manrico von Piero Pretti, der nicht erst seine „Stretta“ zum anstrengungslos tenorflammenwerferischen Phänomen gestaltete.
Diesmal geriet man, dank der Sopranistin Elza van der Heever, in Versuchung, die Oper in Leonora umzutaufen, denn diese Protagonistin war es, die (…) in den letzten Bildern dominierte, vor allem mit immer glühenderen Melodiewundern, intimste Gefühlsregungen himmelwärts ausfahrend und schier Sterne zum Schmelzen bringend. (…)
Blankgeputzt und akkurat das Opernhaus- und Museumsorchester mit dem Dirigenten  Jader Bignamini. (…)

Hans-Klaus Jungheinrich, Frankfurter Rundschau


(…) Mit der gewohnten musikalischen Brillanz startet die Oper die neue Saison mit Verdis Il trovatore.
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David Böschs Inszenierung ist karg, intelligent, bilderstark. Daran herumzukritteln, hieße Korinthen picken.

Wertung: TOLL

Josef Becker, Bild Frankfurt


(…) Eine Lichtgestalt, natürlich Sopran, ist (…) Leonora, die vergeblich vom jungen Grafen und erfolgreich vom Outcast Manrico, dem Troubadour, begehrt wird. Wenn Elza van den Heever in der Partie dieser großen Liebenden vom Himmel singt, katapultiert sie das Premierenpublikum in den siebten Opernhimmel. Die Sopranistin sorgt mit dem prachtvollen Bariton Brian Mulligans als Graf Luna für die musikalisch stärksten Momente in dieser Koproduktion mit dem Royal Opera House Covent Garden. In London hatte David Böschs Inszenierung im Juli 2016 Premiere und brachte in Frankfurt nun unter der federnden, eher gedeckte Farben als das Grelle suchenden Leitung des italienischen Gastdirigenten Jader Bignamini eine Wiederbegegnung mit dem ehemaligen Ensemblemitglied, einer Leonora, die hier in idealer Weise Wärme und Kraft des Ausdrucks mit brillanter Höhe vereint. (…)

Volker Milch, Darmstädter Echo


(…) Erstaunlich, wie routiniert und gleichermaßen stimmlich einprägsam Einspringerin Marianne Cornetti ihre schwierige Partie [der Azucena] auch darstellerisch meistert. Eine weitere starke Frau ist Elza van der Heever, deren makelloser Sopran dramatisch zu forcieren versteht. Und da ist noch Tenorissimo Piero Pretti als Manrico, körperlich von kleiner Gestalt, aber mit großer Stimme, die auch das hohe C mühelos stemmt. (…)

Klaus Ackermann, Offenbach-Post


(…) Das mit düster gestrichelten Videos, kindlich gemalten Filmen und tristen Baumwoll-Blumen fesselnde Bühnenbild von Patrick Bannwart, das auf jede Volte von Verdis Musik klug reagieren konnte, zeigte am Sonntagabend durchaus poetische Augenblicke. (…)

Bettina Boyens, www.musik-heute.de


(…) Das Sänger-Quartett der vier Hauptrollen hat es in sich. Natürlich singt Tenor Piero Pretti (Manrico) in seinem Frankfurt-Debüt am Ende des dritten Akts das hohe C. Verdi hatte zwar nur ein G notiert, aber schon zu seinen Lebzeiten waren Experten der Meinung, hier müsse am Schluss ein hohes C her, was der Meister absegnete. Pretti schmettert die Heldennote im Brustton der Überzeugung in den Saal, legt sie über den im Forte singenden Chor und sorgt nach dem Schlussakkord des Orchesters für Nachhall. Bariton Brian Mulligan ist ein durchdringender Graf Luna, Elza van den Heever eine erfreulich unprätentiöse, aber sich bis in die höchsten Höhen aufschwingende Leonora. Die eigentlich für die Rolle der Azucena vorgesehene Tanja Ariane Baumgartner war erkrankt und wird von der zwei Tage vor der Premiere eiligst aus den USA eingeflogenen Marianne Cornetti routiniert ersetzt. Der Chor gehört wie immer zur Spitzenklasse.
Im Graben gibt Dirigent Jader Bignamini dem Frankfurter Opern- und Museumsorchester eine flotte Gangart vor. (…) Im Schlussakt arbeitet Bignamini die Spannungsbögen sauber heraus und nimmt sich gebührend Zeit. Das Orchester musiziert mit bestechender Eleganz. (…)

Manfred Merz, Gießener Allgemeine Zeitung

(…) Ebenfalls sehr glücklich gelangen die fünf delikat schönen Lieder von Francis Poulenc, in denen Brownlee Wehmut und Verletzlichkeit zart zum Ausdruck brachte. Das deutsche Klavierlied war passend durch den interessanten Spätromantiker Joseph Marx vertreten. Mit fünf urwüchsigen Liedern von Alberto Ginastera wurde die Grenzlinie zwischen Kunstlied und argentinischer Volksweise erreicht. Dann erklangen Vertonungen der anspruchsvollen Gedichte von Yeats und Joyce (…).
Brownlees Stimme konnte sich auch hier, zumal in seiner Muttersprache, vollkommen entfalten und in ihren Bann ziehen. Der Schritt von der klassischen Gesangstechnik zum Pop- und Gospel-Stil mit verzierenden Melismen in der Kopfstimme erfolgte im letzten Programmpunkt mit fünf Spirituals, bearbeitet und fixiert von Damien Sneed. Die ungekünstelt aufrichtigen religiösen Gesänge wirkten in der Authentizität und Natürlichkeit des US-Amerikaners befreiend und anrührend (…).
In drei hinreißenden Zugaben empfahl sich Brownlee als der Opernstar, der er längst ist: mit sicher herausgeschmetterten Spitzentönen der Arie „Ah! mes amis“ aus Donizettis Regimentstochter, mit viel Schmelz und Sensibilität in „Una furtiva lagrima“ aus Donizettis Liebestrank. Rossinis „La Danza“ setzte den turbulenten Schlusspunkt des Abends. Am Klavier begleitete und swingte der vielseitige Henning Ruhe mit Einfühlungsvermögen und sichtlicher Freude.

Markus Kuhn, Frankfurter Neue Presse

Zum Auftakt der neuen Spielzeit wurde Mozarts Die Entführung aus dem Serail am Frankfurter Opernhaus wieder aufgenommen. Christoph Loys Inszenierung von 2003 erwies sich einmal mehr als Klassiker im Repertoire.
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Irina Simmes erlebte man als grazil-erhabene Konstanze, eine elegante, aber auch mit kraftvoller Stimme ausgestattete Künstlerin, bei der Männerherzen in Ausnahmezustände geraten. Es ist ja gerade nicht nur das Äußerliche dieser Frau, sondern ihr unbeugsamer Wille (und Charakter), der beim Bassa die Liebesnerven blank liegen lässt. Was natürlich auch für dessen menschliche Instinkte spricht. Gloria Rehm war dazu die passende Blonde: Kleiner, quirliger als Konstanze, auch (…) und direkter, aber nicht weniger glaubwürdig. Im zweiten Akt entwickelte Rehm besonders viele Sympathien – Andreas Bauer in der Rolle des ungestümen Osmin musste mächtig dagegen ansingen. Mit seinem kraftvollen Bass fing er allerdings genügend Aufmerksamkeit im Publikum ein. Generalmusikdirektor Sebastian Weigle führte den Taktstock souverän und brachte das Opern- und Museumsorchester mit klar und luftig vorgetragener Musik bestens zur Geltung.

Matthias Gerhart, Frankfurter Neue Presse


(…) Den hohen Stellenwert von Mozarts Die Entführung aus dem Serail wird auch dadurch deutlich, dass diese Wiederaufnahmeserie vom Frankfurter Generalmusikdirektor Sebastian Weigle höchst persönlich geleitet wird (alternierend mit Kapellmeister Nikolai Petersen). Zum Ende der Spielzeit 2016/17 war Weigle von der New Yorker Metropolitan Opera zum Dirigat für Aufführungen von Beethovens Fidelio und Straussʼ Der Rosenkavalier eingeladen worden. Mit diesem künstlerischen Erfolg im Nacken und mit der zurückliegenden Sommerpause führte er frisch gestärkt das Frankfurter Opern- und Museumsorchester zu einem spritzigen, lebhaften und die starken Emotionen der Figuren untermauerten Spiel an.
Viele Neubesetzungen gibt es bei dieser Aufführungsserie. Einzig der Schauspieler Christoph Quest ist von der Premierenserie 2003/04 noch dabei. Die Sprechrolle des Bassa Selim ist ihm sehr vertraut, dennoch vermeidet er Routine und gibt ihn mit großer Würde. Für sein finales Urteil über die Gefangenen, sein Appell an die Humanität der Menschen, gab es bei der besuchten Wiederaufnahmepremiere einen Zwischenapplaus (…).
Beim jungen Ensemblemitglied Michael Porter fällt nicht nur positiv auf, wie gut und deutlich der gebürtige US-Amerikaner inzwischen Deutsch spricht. Bei seinem Rollendebüt als Belmonts Bedienter Pedrillo gibt er sich souverän und mit hoher darstellerischer Präsenz (Arie „Frisch zum Kampfe, frisch zum Streite“). (…)

Markus Gründig, www.kulturfreak.de


(…) Mit großer Sorgfalt und Liebe zum Detail hat Ute M. Engelhardt das Regiekonzept mit sehr spielfreudigen Sängerdarstellern wiederbelebt. (…)
Insgesamt wird der Regie-Klassiker sorgfältig aufbereitet präsentiert. Man muss kein Prophet sein, um dieser Produktion noch ein langes Leben im Frankfurter Repertoire vorauszusagen.

Michael Demel, www.deropernfreund.de