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Pressestimmen

(…) Das ist keine Unterhaltung. Das ist eine Art von schleichender Folter. Aber es ist sehr, sehr gut.
(…)
Der Mieter ist ein abscheuliches, schmutziges, zermürbendes Stück. Sehen Sie es sich an, wenn Sie können.

Shirley Apthorp, Financial Times (Übersetzung: Oper Frankfurt)


(…) Der Roman Locataire chimérique (Der chimärische Mieter) des französischen Schriftstellers Roland Topor und dessen Verfilmung The Tenant von und mit Roland Polanski in der Hauptrolle bilden die Vorlage, oder besser gesagt das Material, aus welchem Händl Klaus das Libretto schrieb. Der österreichische Bachmannpreisträger Jahrgang 1969 ist zwischenzeitlich so etwas wie der Metastasio der zeitgenössischen Oper. Kein Wort zu viel, kein Satz zu lang, seine Sprach-Splitter besitzen an sich schon psychotische Wirkkraft.Händl und er kamen in einem sehr frühen Stadium der Entstehung zusammen, erzählt der Heidelberger Komponist Herrmann, Jahrgang 1968, in der Einführung zum Premierenabend. Auch der Regisseur Johannes Erath stieg bald in die kreative Denkarbeit mit ein. So entstand eine in der Musik wie Darstellung in sich stimmige Erstproduktion. Das gelingt nicht oft.
(…)
Mit dieser Uraufführung beweist Frankfurt eine in jeglicher Weise gelungene und in sich stimmige Gesamtleistung.

Christiane Franke, www.klassik.com
 

(…) wer zuvor Zweifel hegte, ob die Mittel der Bühne an die Suggestivität des Films und der Romanvorlage heranreichen könnten, dem blieb der Atem weg. (…)
(…)
(…) ein spannender Premierenabend, zu dem nicht zuletzt die herausragenden sängerischen Leistungen von Björn Bürger (Georg), Anja Petersen (Johanna), Hanna Schwarz (Frau Bach) und anderen beitrugen.

Julia Spinola, Süddeutsche Zeitung


(…) Wie das Libretto von Händl Klaus in ständiger Absprache mit Herrmann während des Komponierens entstanden ist, hat auch der Regisseur Johannes Erath die Produktion im Werden begleitet. Dementsprechend tief geht seine Interpretation, die sich nicht darauf beschränkt, surreale Bilder nach Buñuel-, Magritte- oder Dalí-Mustern zu variieren. Analog zur Musik überreizt auch die Regie gerne die Wahrnehmung, wenn sie das Bühnenbild ins Vertikale kippt, um auch noch gegen die Gesetze der Schwerkraft anzukämpfen. Georg und sein Zimmer fallen endlich aus der Zeit, nicht jedoch aus dem Gedächtnis. Die Frankfurter Oper hat eine bezwingende Uraufführung im Repertoire.

Mirko Weber, Die Zeit


(…) Zu Beginn, wenn Georg das erste Mal die Wohnung sieht und mit Johannas Schicksal konfrontiert wird, scheinen die musikalischen Gestalten noch ganz klar zu sein. Im manisch vorantreibenden rhythmischen Puls dieser Musik prägen sie sich als repetitive Patterns ein, die sich geradezu ins Ohr bohren. Doch je weiter [der Komponist Arnulf] Herrmann und [sein Librettist] Händl Klaus diesen Totentanz im Dreier-Takt vorantreiben, desto mehr werden diese Gestalten verbogen, ornamental erweitert, mikrotonal umkoloriert, rhythmisch verschoben und damit synkopiert, komplex übereinandergeschichtet. Man fühlt sich einem immer monströser sich verästelnden Klangkosmos ausgesetzt, durchtönt von tiefschwarzen „Dies-irae“-Anklängen und von allerhand Geräuschen, abgeleitet aus den Motiven der Vorlage. Ebenso wie die Hauptfigur verliert auch der Hörer die Sicherheit klarer Identitäten. Die Musik wölbt sich auf zu einem Labyrinth von kafkaesker Verschlungenheit, in der sich Georgs Verwandlung zwanghaft vollzieht. Sie untermalt die Handlung nicht, sie ist die Handlung.
Für diesen Prozess haben der Regisseur Johannes Erath, der Bühnenbildner Kaspar Glarner, die Kostümbildnerin Katharina Tasch und vor allem auch die Videokünstlerin Bibi Abel – sie waren ebenso wie Händl Klaus frühzeitig in den Entstehungsprozess der Oper einbezogen – einen kongenialen Bildkosmos ersonnen. (…)
Dieser (…) folgt in seinen fließenden Verwandlungen und verschachtelten Ebenen auf faszinierende Weise den Prozessen der Musik. Ich habe es wirklich selten erlebt, dass Klang, Szene und Video so ineinandergreifen. (…)
Der japanische Dirigent Kazushi Ōno, der in Europa vor allem als Generalmusikdirektor der Opéra de Lyon von 2008 bis 2017 auf sich aufmerksam machte, erweist sich als hochkompetenter Anwalt von Herrmanns vielschichtiger Partitur, deren Klänge er mit großer Souveränität und viel Feeling für Effekte ausbalanciert. Sowohl das Opernorchester wie auch der hinreißend virtuose, von Walter Zeh einstudierte Philharmonia Chor Wien leisten unter seiner Leitung Maßstäbliches. Björn Bürger gibt der außerordentlich virtuos komponierten Bariton-Partie des Georg mit ihren bizarren Registerwechseln markantes Profil: klangvoll klar im Timbre, rhythmisch impulsiv, trittsicher in den allfälligen Intervallsprüngen. Spektakulärer noch hat Herrmann die Partie der Johanna gestaltet: Er hat ihr drei „Gesänge“ geschrieben, die als „Drei Gesänge am offenen Fenster“ bereits 2014 bei der musica viva in München uraufgeführt wurden. Sie geben gleichsam musikalische Einblicke in Johannas zerrissene Seele, bevor sie aus dem Fenster springt, und verlangen der Sängerin Anja Petersen extremste Intervallsprünge und absolut sichere Intonation in höchsten Stratosphärenregionen ab. Bei der Premiere (…) sang Anja Petersen die Partie mit einer betörenden, geradezu ätherischen Leichtigkeit, Reinheit und Intonationssicherheit. Alfred Reiter gibt den Vermieter Zenk mit bassschwarzer Kraft, als Georgs Freunde Körner und Krell interagieren die beiden Tenöre Michael Porter und Theo Lebow mit buffonesker Agilität, und in der kleinen Rolle der Concierge Frau Bach erlebt man die große Hanna Schwarz, als Bayreuther Fricka unerreicht.
Diese Uraufführung setzte hohe Maßstäbe und riss den bei weitem größten Teil des Publikums zu großer Begeisterung hin. Hoffentlich wird diese auch von Intendanten anderer Häuser geteilt. Denn es wäre schon spannend zu erleben, welche weiteren Interpretationsdimensionen in diesem Werk zu entdecken sind.

Detlef Brandenburg, www.die-deutsche-buehne.de


(…) Die Musik hat einen einlullenden Sog, intensiv, bedrohlich, filigran. Fordernd, aber auch witzig.
Die Inszenierung von Johannes Erath im grandiosen Bühnenbild von Kaspar Glarner, angereichert mit stimmigen Videobildern von Bibi Abel, ist kongenial verstörend, immer im Fluss, voll magischer Bilder. Das Grauen wird hier sehr kunstvoll zelebriert. Ein stimmiges Gesamtkunstwerk.

Wertung: SEHR GUT

Josef Becker, Bild Frankfurt


(…) Die Glasgeräusche – Ritzen, Schaben, leislautes Zersplittern, in der Frankfurter Oper herumgereicht über vierzig im Raum verteilte Lautsprecher – grundieren Herrmanns anschwellende, bläserlastige und perkussive Partitur. Gleich ihrem Erfinder, der physiognomisch wenig mit einem anämischen Komponistentypus zu tun hat – Herrmann könnte vom Äußeren her auch Fußballtrainer sein –, hat sie auf kunstvolle Weise etwas Sportives, ohne je angestrengt zu wirken. In Klein- und Kleinstschritten, mikrotonal, kreist sie um ihre Themen: Liveelektronik und Klangkörper, das Frankfurter Opern- und Museumsorchester unter Kazushi Ōno, ergänzen sich als Spielmacher. Eine Aufführung aus einem Guss. Kleines Wunder bei dem Thema.
(…)
Der am Werden der Komposition beteiligte Regisseur Johannes Erath entwirft bereits mit seinem filmischen Intro eine hypersurreale Szenerie, die auch dann nichts von ihrem Flair verliert, wenn auf der Bühne gespielt wird. (…)
(…) Hinter dieser Uraufführung stand offensichtlich der ganze Apparat der Oper Frankfurt mit Begeisterung. So etwas ist ansteckend. Wer Oper nicht nur anders, sondern ungewohnt ganz anders haben will: Here we go!

Mirko Weber, Stuttgarter Zeitung


(…) Dem Team Johannes Erath, Bühnenbildner Kaspar Glarner und vor allem der Video-Künstlerin Bibi Abel ist da ein faszinierendes Vexierspiel von Realem und Surrealem geglückt. Das gipfelt im 3. Akt in der scheinbaren Aufhebung der Schwerkraft: der Zimmerboden schwenkt in die Senkrechte und geradezu luftakrobatisch – im sichernden Seilgeschirr hängend – geht, sitzt und fällt Georg auf dieser Senkrechten, während ihn Johanna auf dem Bühnenboden liegend erwartet. Wiederum in einem genau zur Musik getimten Video betritt Georg dann seinen Balkon und springt schließlich als Schatten auf den Balkonmauern in die Tiefe. (…)

Wolf-Dieter Peter, www.nmz.de (neue musikzeitung)


(…) Es dominieren männliche Stimmen, wobei Björn Bürger als Mieter Georg vokal und akrobatisch viel abverlangt wird. Bewundernswert hält die Stimme alle Extreme durch, bewundernswert auch die als Alter Ego gegen Ende mehr ins Spiel geratende Sopranistin Anja Petersen mit sphärischen Klangbewegungen. Viele kleinere Rollen sind trefflich besetzt. Besonders nachdrücklich die Leistung des Philharmonia Chors Wien sowohl stimmlich als auch in seinen stilisierten Bewegungszügen (Leitung Walter Zeh). Kazushi Ōno dirigierte das selten solch düstere und brachiale Schallemissionen ausstrahlende und dabei doch beste Figur machende Opern- und Museumsorchester. Zwei dichte, pausenlos gespielte Stunden.

Bernhard Uske, Frankfurter Rundschau


(…) Typengenau besetzt sind die üblen Nachbarn wie der Kellner Ingo (Sebastian Geyer), die Haushälterin Frau Bach (eine Wiederbegegnung mit dem einstigen Bayreuth-Star Hanna Schwarz) oder Frau Greiner (Claudia Mahnke), die ebenso den Schikanen der Nachbarn ausgesetzt ist. Doch einer überragt sie alle: Als psychisch malträtierter Titelheld ist (…) Jungstar Björn Bürger auch körperlich hart gefordert. Wenn ihm buchstäblich der Boden unter den Füßen wegbricht, hängt der lyrisch wie auch dramatisch auftrumpfende, wohltönende Bariton minutenlang in den Seilen. In der Oper Frankfurt erlebt er eine Verwandlung, die Franz Kafka zur Ehre gereicht hätte. Und die zwei Stunden lang in Atem hält.

Klaus Ackermann, Hanauer Anzeiger 


(…) Der abgründig tiefe Bass von Alfred Reiter in der Rolle des Herrn Zenk ist eine Klasse für sich und Claudia Mahnke als Frau Greiner erste Wahl. (…)

Manfred Merz, Gießener Allgemeine Zeitung


(…) Die stärkste Wirkung aber geht von den suggestiven Bildern aus, die Kaspar Glarner (Bühne), Katharina Tasch (Kostüme), Joachim Klein (Licht) und Bibi Abel (Video) finden. Durchsichtige Vorhänge und Projektionen verwischen die Grenzen zwischen Realität und Traum, Gegenwart und Vergangenheit, Zustand und Bewegung. Am stärksten das Bild im „Nachbarn“ genannten Zentrum: Hunderte von bewegten Augen starren das Publikum an, während im Hintergrund Georg mit seinen Irritationen hantiert. Hier wandelt sich äußere Handlung in innere Befindlichkeit, die Seele liegt offen, Georg stülpt sich, nicht nur in Form des Kleides, sondern in Imaginationen die Figur Johannas über, oder verleibt sie sich ein. Ein magischer Moment!
(…) Großer Beifall für eine enorme Ensembleleistung.

Andreas Bomba, Frankfurter Neue Presse


(…) Das Hyperventilieren des grauenvoll seelisch geplagten Helden wurde wohl noch nie so zwingend von einem Komponisten dargestellt. Das Tropfen von Wasser – elektronisch durch den Raum gejagt – wirkt zugleich wie das Klopfen der fiesen Nachbarn, das in irrwitzige Paukenwirbel mündet.
Doch es gibt auch weniger harte Klangmomente, etwa wenn der ungemein elastische Philharmonia Chor Wien beim Mieter eine Party feiert und dabei phasenweise an Carl Orffs rhythmisch einprägsamen Sprechgesang erinnert.
Oder in den drei Gesängen jener Vormieterin Johanna, jeweils an dramaturgisch zentraler Stelle, die der fabelhafte Sopran von Anja Petersen intensiv durchwirkt. Mal ist das lyrisch lockend, mal regelrecht giftig, aber immer von eindringlicher stimmlicher Präsenz. (…)

Klaus Ackermann, Offenbach-Post


(…) Arnulf Herrmann hat in der zentralen Szene seiner zweiten Oper Der Mieter Klänge gleichsam unter ein Mikroskop gelegt: Ein Glasdach zerbricht in Zeitlupe, Riss für Riss, und die Zuhörer, die sehen, wie der einsame Held des Stücks auf der Bühne verzweifelt vom Fenster seiner Wohnung aus zum Todessprung auf die Veranda ansetzt, fühlen sich, rundum beschallt von Lautsprechern, als seien sie eben erst durch die Luft geflogen, lägen nun selbst mitten auf dem zersplitternden Glas, und gleich werden sie fallen, ganz tief.
Das ist einer der Momente dieser denkwürdigen Opernuraufführung, die man nicht vergessen wird. Es gibt noch etliche weitere davon in diesem Stück, das der 49-jährige gebürtige Heidelberger, der heute als Professor für Komposition in Saarbrücken lehrt, gemeinsam mit dem Österreicher Händl Klaus über Motive aus Roland Topors Roman Der Mieter (und aus dessen Verfilmung durch Roman Polanski) schrieb, und so verlässt man das Frankfurter Opernhaus nach zwei mit Klängen wie mit Bildern prall gefüllten Stunden am Sonntagabend mit der Gewissheit, etwas ganz Besonderes erlebt zu haben.
(…) Der Mieter ist ein exzellent gemachter, packender Opern-Horrorthriller. Hingehen, unbedingt!

Susanne Benda, Stuttgarter Nachrichten

(…) Lasst Blumen sprechen – das ist nicht nur ein Rat, den jedes Blumengeschäft gerne gibt, sondern auch ein Motto, mit dem sich ein wunderbar abwechslungsreicher Liederabend gestalten lässt. Denn Blumen sind seit Jahrhunderten ein beliebtes Symbol für Liebe, Schönheit und Vergänglichkeit. Vor fünf Jahren habe sie das erste Mal mit Joseph Middleton musiziert, erzählt die britische Sängerin in sehr gutem Deutsch. Bei der Suche nach einem Programm für gemeinsame Liederabende sind sie dann auf die Blumen-Lieder gestoßen. Middleton hat einen Berg von Liedern zum Thema angeschleppt, Sampsons und Middletons Favoriten waren nun in Frankfurt zu hören.
(…)
Carolyn Sampson, die sich vor allem mit Barockmusik einen Namen gemacht hat, zeigte sich sämtlichen Stilen und Sprachen gewachsen. Mit ihrem klaren Sopran, der besonders in den Höhen aufblüht, macht sie jede dieser Miniaturen zu einem Erlebnis. Unprätentiös, aber mit extrem differenziertem Spiel hatte Joseph Middleton großen Anteil, dass dieser Liederabend das Publikum begeisterte.

Martin Grunenberg, Frankfurter Neue Presse


(...) Sampsons Sopran ist leicht, unprätentiös und völlig unangestrengt im Ansatz, gewissermaßen scheint sie zu trällern, und womöglich merkt man erst nach einer Weile, wie fein das austariert ist, wie ausgefeilt die Technik. Die überzeugende Durchschlagskraft ihrer Stimme setzt sie dosiert ein. Das zum Thema glänzend passende Aufblühen, das ihr wie aus dem Nichts, jedenfalls anscheinend ganz entspannt möglich ist, überwältigt dann umso mehr.
Ideal auch: Eine Opern- wie Konzertsängerin steht vor uns, erheblich ihr Spaß am dramatischen Spiel – als sympathische Darstellerin, aber auch stimmlich beim wahrlich flammenden „Aufflammen“ oder beim ausatmenden „Ausatmen“. Ihr gesungenes Deutsch ist makellos. (…)

Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau

(…) Das große Mosaik, in mühevoller Kleinarbeit gestaltet, steht im Mittelpunkt der emotional stark gegliederten Inszenierung von Dorothea Kirschbaum, die bereits vor einem Jahr zu Recht mit sehr viel Lob und Aufmerksamkeit bedacht wurde. Und so ließ es sich Generalmusikdirektor Sebastian Weigle nicht nehmen, auch die erste Wiederaufnahme im Orchestergraben musikalisch zu gestalten.
Tschaikowskis Oper ist ja eine dankbare Aufgabe für das gut aufgestellte Opern- und Museumsorchester. Da geht es nicht nur um die kraftvolle Polonaise am Beginn des dritten Aktes, die von der brüchigen Gesellschaftsordnung im Russland des endenden Zarenreiches kündet. Die russische Seele wandelt allerorten – auch oder gerade dann, wenn beim Duell das Blut fließen wird. (…)
(…) Der Beifall am ersten Abend der Wiederaufnahme wollte begreiflicherweise kein Ende nehmen. (…)

Matthias Gerhart, Frankfurter Neue Presse

(…) Sebastian Geyer hatte man in dieser Produktion als Aeneas bereits hören und erleben dürfen, zu ihm gesellte sich bei der dritten Wiederaufnahme die zärtlich und aromatisch singende Cecelia Hall in der Rolle der Geliebten Dido. Auch Angela Vallone als Belinda und der rollenerfahrene Michael Porter (Spirit/Sailor) trugen mit ansprechendem Gesang sehr zum Erfolg der Wiederaufnahme bei.
Das zunächst in kleiner Besetzung musizierende und von Karsten Januschke geleitete Opern- und Museumsorchester vergrößerte sich bei Bartóks Herzog Blaubarts Burg dann erheblich, wobei eigentlich nur noch zwei Gesangssolisten auf der Bühne stehen. Claudia Mahnke konnte auch diesmal wieder mit subtiler Technik und großer Ausstrahlungskraft in der Schlüsselrolle der Judith überzeugen und lieferte damit zugleich ein opulentes vokales Gegenstück zu dem mit großer atmosphärischer Dichte singenden Andreas Bauer in der Titelpartie.
Man durchschritt also an einem Abend den Kosmos jahrhundertelanger Geschichte der Oper – ohne dass es einem auch nur einen kurzen Moment langweilig geworden wäre. Die Kombination zweier Kurzopern hatte sich also auch diesmal wieder am Frankfurter Haus bewährt.

Matthias Gerhart, Frankfurter Neue Presse


(…) Die Produktion entfaltet gerade im zweiten Teil großes Suchtpotenzial. Man möchte dieses perfekte Gesamtkunstwerk aus Schauspiel, Choreographie, Bühneneffekten, Beleuchtung, Gesang und Orchesterklang immer und immer wieder erleben. (…)

Michael Demel, www.deropernfreund.de

Die Benjamin-Britten-Pflege an der Oper Frankfurt ist legendär. Jetzt hat der Brite Keith Warner dort Peter Grimes als Psychodrama neuinszeniert, das unter die Haut geht – dank eines großartig aufspielenden Opern- und Museumsorchesters, das unter Sebastian Weigle die Spannung über drei Stunden hält, und eines Opernchores von dramatischer Strahlkraft. Überragend: Vincent Wolfsteiner als verhasster Außenseiter. (…)

Klaus Ackermann, Offenbach-Post


(…) Allen voran überzeugt Vincent Wolfsteiner in der Titelpartie. Was ist er doch für ein ungewöhnlicher Sängerdarsteller! Die Art und Weise, wie er sein Rollendebüt als bemitleidenswerter Underdog bewältigt, will einem nicht mehr aus dem Kopf: Wie er die verwundete Seele dieses Fischers nach außen kehrt, wie er in seiner entrückten Einsamkeit verharrt, wie er mit seiner stimmlichen Ausdruckspalette hantiert, bis der ganze Bühnenhimmel voll trostloser Klangfarben hängt. Dabei hat er jede Menge Mut zu Hässlichkeit, zu stiller Innenschau und beinahe stummer Selbstaufgabe. Ihm gelingt das hypersensible Porträt einen Mannes, dessen Selbstmord am Schluss zu Tränen rührt. Weil es wie in Trance geschieht, wie von Ferne gesteuert, wie einem geheimen inneren Schuldspruch folgend. (…)
Wie eine warme Kerze entfaltet sich in all dem Kummer die lyrische Schönheit von Sara Jakubiaks mitleidvollem Sopran als Lehrerin Ellen Orford. Lange wärmt auch der ausdrucksfeine Bariton von James Rutherford als gutmütiger Captain Balstrode die grausame Szene – bis auch er dem Freund ganz am Schluss die Loyalität versagt. Uneingeschränktes Lob gilt auch der packenden Ausdrucksschärfe des Frankfurter Opernchores. Wie Generalmusikdirektor Sebastian Weigle die letzten, fast geschrienen „Peter-Grimes“-Rufe der wild an der Rampe stehenden Meute dirigiert, zerschneidet wie herabfallende Messerstiche die gebannte Aufmerksamkeit. Prächtig aufwallend lässt er Brittens „Sea-Interludes“ glänzen und wogen, nimmt seine präzisen Musiker aber immer zurück, damit Grimes und Ellen ihre lyrischen Passagen unangestrengt ins Halbrund entsenden können. Iurii Samoilov bleibt als zweifelhafter Apotheker Ned Keene ebenso im Gedächtnis haften, wie Hedwig Fassbender als opiumsüchtige Mrs. Sedley, Peter Marsh als Reverend Horace Adams und die fulminant in Frankfurt debütierende Jane Henschel in der Rolle der mütterlichen Pub-Besitzerin Auntie.
Einhelliger Jubel für alle Künstler auf und hinter der Bühne beschließt diesen Abend der meisterlichen Ekstase.

Bettina Boyens, Frankfurter Neue Presse


(…) Auch dieser Abend zeigte die enorme Könnerschaft des Regisseurs [Keith Warner]. Suggestive Personenführung, präzis ausgearbeitet in der Ruhe wie in der Bewegung. Spannungsvoll der Kontrast zwischen dem eher expressionistisch-monumentalen Bühnenbild (Ashley Martin-Davis) mit einer gewaltigen Doppelwand, die sich teilen ließ und dann das kahl-spitzwinklige Kneipeninterieur herstellte, sowie den penibel historisierenden Kostümen von Jan Morrell – im vorherrschenden Schwarzweiß eine frappierend funktionierende Dialektik der aus zeitlicher und örtlicher Konkretion hervorgehenden „existentialistischen“ Allgemeingültigkeit.
(…)
Mit dem Dirigenten Sebastian Weigle war das musikalisch hohe Niveau der Aufführung zu erwarten. Es ergab sich ein gleichsam natürlich fließender (englischer) Sprachduktus, vom leichtgewichtigen Parlando-Beginn – typisch für Brittens locker-simple Einstiege, die erst allmählich zu Verdichtung führen – bis zu den minutiös ausgearbeiteten Vokalensembles (herrlich frei ausströmend etwa das Frauenquartett), zuerst und zuletzt aber immer auch beim Einbezug der ebenso wuchtigen wie tonmalerisch differenzierten Chorstrecken. Am Instrumentalkolorit, dessen Kantigkeiten Weigle durch flimmernd-impressionistische Effekte zu konterkarieren wusste, entdeckte er gar noch Unerhörtes wie die prägnant abgezirkelten „trockenen“ Einzelakkorde bei der Begleitung des letzten Ellen-Monologs. (…)

Hans-Klaus Jungheinrich, Frankfurter Rundschau


Was ist mit unserer Oper los? Schon die dritte Premiere in dieser Spielzeit, und noch immer gibt’s nichts zu meckern. (…)

Wertung: TOLL

Josef Becker, Bild Frankfurt


Mit einem ergreifenden Peter Grimes ist der Oper Frankfurt am Sonntagabend ein großer Wurf gelungen. Die expressionistische Inszenierung des Briten Keith Warner war ganz auf den großen Sängerdarsteller Vincent Wolfsteiner in der Titelpartie und seinen Konflikt mit den Pogromszenen der Chormassen zugeschnitten. Zu Recht erhielt er für sein Debüt als zerrissener Außenseiter in Benjamin Brittens dramatischem Erstling einhelligen Beifall.
Ebenfalls aus dem Frankfurter Ensemble überzeugte Sara Jakubiak als mitleidvolle Ellen Orford und Generalmusikdirektor Sebastian Weigle, dem sowohl zarte Charakterzeichnungen als auch wuchtige Meeresstudien gelangen. Für diese Britten-Oper ans Ensemble zurückgekehrt, gelang auch Gastbariton James Rutherford als Captain Balstrode ein beeindruckendes Rollendebüt.

Bettina Boyens, www.musik-heute.de


(…) Regisseur Keith Warner setzt in seiner Neuinszenierung an der Frankfurter Oper mit einer spannenden, naturalistischen Sicht Zeichen. Seine Titelfigur spinnt weder Seemannsgarn noch hat sie eine homophobe Neigung, sie ist vielmehr ein komplexer Charakter, ein gequälter Idealist. Die Dorfbewohner fungieren bis auf wenige Ausnahmen als feiste Masse. Warner versteht sich auf Personenführung und das saubere Herausarbeiten der Kulminationspunkte. Das packende knarzende Bühnenbild von Ashley-Martin Davis wirkt wie aus Holz und Wut zusammengezimmert, die stückgetreuen Kostüme (Jon Morrell) versetzen den Betrachter sofort in die Zeit eines dunklen Argwohns.
(…). Die Sozialkritik des Stücks, dieser finstere Kosmos aus spießiger Missgunst und Sensationsgier, funktioniert bis heute im Zeichen von Brexit und Ausländerfeindlichkeit. Wenn die Dorfbewohner am Ende des zweiten Akts im dreifachen Forte drohend Peter Grimes deklamieren, um den vermeintlichen Mörder zu lynchen, wird klar: Das Ende des Fischers ist besiegelt.
(…)
Am Ende fährt der verzweifelte und verwirrte Grimes mit seinem Boot aufs offene Meer hinaus in Richtung Horizont und Suizid. Niemand nimmt davon Notiz. Unbekümmert warten alle auf ihr nächstes Opfer.

Manfred Merz, Gießener Allgemeine Zeitung


(…) Musikalisch (…) ist der Frankfurter Peter Grimes ein ganz großer Wurf, und das liegt nicht nur daran, dass die zahlreichen kleinen Partien ausnahmslos fundiert besetzt sind, beispielsweise mit Jane Henschel als mütterlicher, aber zugleich auftrumpfender Erscheinung der Dorfwirtin oder mit dem verführerisch geschmeidigen Bariton von Iurii Samoilov als Apotheker Ned Keene.
Vor allem überzeugen die beiden musikalischen Hauptprotagonisten, Vincent Wolfsteiner mit seinem markanten, konditionsstarken und ganz punktuell treffend fragilen Heldentenor in der Titelpartie, erst recht das unter Sebastian Weigles Leitung in präziser Artikulation sprechende sowie mit satten Farben und feinen Schattierungen malende Frankfurter Opern- und Museumsorchester. Sara Jakubiak als dunkel leuchtende Ellen Orford und James Rutherford als vokal neutralerer Kapitän Balstrode bleiben einsam Peter Grimes zugewandt, der zu seinem wie zum Ende der umjubelten Premiere, nicht ganz kitschfrei, einer großen Mondscheibe entgegensieht.

Axel Zibulski, Wiesbadener Kurier


(…) Beklemmend, wie unerbittlich Warner für die Fischer an der englischen Ostküste die heimatliche Kleinstadt Welt sein lässt. In keinem Bewohner dieses geschlossenen Kosmos‘ keimt der ernstliche Wunsch auf, die engen Schranken zu durchbrechen. Selbst für den Außenseiter Peter Grimes soll sich die Sehnsucht nach Schutz und Geborgenheit in gewohnter Umgebung erfüllen. (…)
Milieu und Figuren zeichnet Warner stilisiert, durch beinahe choreografisch abgezirkelte Bewegungsmuster im Verein mit packender emotionaler Verdichtung, die gleichermaßen tief anrührende Innigkeit und die große Geste riskiert. (…)

Michael Kaminski, O-Ton


(…) Mit dem überwältigenden Schlussakt hat die Aufführung auch die letzten Skeptiker und Gleichgültigen im Publikum für sich eingenommen. Der Schlussapplaus ist für alle Beteiligten stark, Wolfsteiner, Jakubiak und der Chor ernten Bravi, und beim Auftritt von Regisseur und Bühnenbildner ist nicht die kleinste Unmutsbekundung zu vernehmen. Die Produktion hat das Zeug zum Longseller.

Michael Demel, www.deropernfreund.de

Ein gnädiger Kritiker würde dem Leser vorenthalten, was er versäumt, wenn er diese Produktion nicht besucht. Er würde ihm nicht von einem spektakulär gelungenen Theaterabend, einer kongenialen Amalgamierung von Schauspiel und Tanz berichten, nicht von beglückenden Sängerleistungen und einem fabelhaften Orchester auf dem Niveau der besten Spezialensembles für Alte Musik. Ein gnädiger Kritiker würde von all dem schweigen, denn sämtliche Vorstellungen sind restlos ausverkauft (…).

Michael Demel, www.deropernfreund.de


(…) Doch nicht nur das Auge bekommt viel geboten: Frankfurts Oper hat ein fabelhaftes Solistenensemble zusammengestellt. Als regelrechte Sensation entpuppte sich dabei der polnische Countertenor Jakub Józef Orliński (…).

Gerhard R. Koch, Opernwelt


(…) Jakub Józef Orliński, gerade 27 Jahre alt, ist [als Rinaldo] einmal mehr eine dieser Entdeckungen, mit denen die Oper Frankfurt so regelmäßig aufwartet. Sein Altus betört, rein und klar, so kraftvoll und beweglich, dass seine finale Arie, ein Wettstreit mit der Solo-Trompete, ein kräftiges Ausrufezeichen hinter seine Glanzleistung setzt. (…)

Axel Zibulski, Offenbach-Post


(…) Regisseur Ted Huffman und Choreograf Adam Weinert haben Georg Friedrich Händels Oper Rinaldo als Apotheose des Tanzes und der Bewegung umgesetzt, und das mit einer Personenführung, wie man sie in einer derartigen Präzision und Detailliertheit sonst nicht erlebt auf der Opernbühne. Die Bewegungsstile waren wie in einer zweiten Partitur komponiert, mit parallelen Zeitschichten und Geschwindigkeiten, kein Schritt unüberlegt, kein Fall ein Zufall.
(…) Das [Orchester] spielt in Frankfurt, wenn Barockoper auf dem Programm steht, mit großer Souveränität und Selbstverständlichkeit auf historischen Instrumenten, Naturtrompeten, Darmsaiten, die Stimmung liegt bei 415 Hertz.
(…)
Simone Di Felice ist da der richtige Mann am Pult, seit dieser Saison in Frankfurt vom Solorepetitor zum Kapellmeister aufgestiegen. Die Continuogruppe ist gut aufgelegt, man höre nur auf die fantasievolle Lauten-Begleitung in der Arie „Lascia ch’io pianga“.
Da hatte oben auf der Bühnenschräge auch Karen Vuong als Almirena ungemein geschmackvolle Verzierungen im da capo zu bieten. Sie bewegte sich an diesem Premierenabend nicht nur im Kampf um die Gunst des Ritters Rinaldo auf Augenhöhe mit der Zauberin Armida, gesungen von Elizabeth Reiter, auch stimmlich waren sich die beiden Sopranistinnen ebenbürtig. Reiters Armida: Stark in der Ekstase, stärker noch im Lyrischen, weil ihr Sopran leicht war und dennoch nicht blass. (…)
Der einzige Gast war der junge polnische Countertenor Jakub Józef Orliński, von dessen Beweglichkeit – nicht alleine der stimmlichen, vor allem auch der körperlichen – muntere Gerüchte kursieren. Erst im Sommer durfte er in Aix-en-Provence in einer Cavalli-Oper seine Kompetenz in Sachen Breakdance vorführen, jetzt war wieder seine ganze Körperbeherrschung auf dem Bühnenboden gefragt. Rollen vorwärts und rückwärts, als Teil spektakulär choreografierter Kampfszenen, lieferte der Sänger am laufenden Band, den Profitänzern dieser Produktion stand er da in nichts nach. Mit solch einem Material zu arbeiten muss für einen Opernchoreografen ein Traum sein. Wobei zu allem Überfluss auch Orliński Altstimme traumhaft ist. Sicher in den Koloraturen, bruchlos zwischen den Registern, mit enormen Ambitus gesegnet: Die Eingangsverzierung zum da-capo-Teil der Arie „Venti, turbini“ hatten alles, was einnehmenden Barockgesang ausmacht. (…)

Stefan Schickhaus, Frankfurter Rundschau


(…) In Ted Huffmans Rinaldo klingen, singen pochende Herzen. Ein musikpoetischer Geniestreich! (…)

Barbara Röder, www.klassik.com


(…) Im Bockenheimer Depot bildet die fast leere, quadratische und nach hinten ansteigende Bühne von Annemarie Woods den Schauplatz des Szenarios um den Ritter. Den Krieg zeigt Ted Huffmans Neuinszenierung immer wieder, schon im Kampf Mann gegen Mann während der Ouvertüre, in der Simone Di Felice ein drastisch akzentuiertes Händel-Dirigat ankündigt.
Bewusst spart die Regie vieles aus. Es gibt keine lebenden Vögel, deren Gezwitscher ersatzweise das Opern- und Museumsorchester übernimmt, keine Drachen, nicht einmal echtes Feuer. Und auch keinen im Heute platzierten islamisch-christlichen Kampf, der unter vordergründigem Aktualitätsbezug nur von den ganz allgemein von Händel und seinem Librettisten Giacomo Rossi verhandelten Konflikten aus Liebe, Täuschung, Machtstreben und Gewalt ablenken würde. Denn davon zeigt Huffman wiederum sehr viel, das sehr deutlich und weiß dabei zudem ein starkes Solistensextett auf seiner Seite. (…)

Axel Zibulski, Wiesbadener Kurier


Dieser Rinaldo raubt allen den Atem

Josef Becker, Bild Frankfurt


(…) Wer den spektakulären Jakub Józef Orliński als Händel-Helden Rinaldo gesehen hat, kann bestens verstehen, warum die Zauberin Armida ihrem schönen Gefangenen im Handumdrehn verfällt. Denn der 26-jährige, polnische Countertenor ist nicht nur ein pointierter Barocksänger, der seine Kopfstimme und die Registerwechsel bestens im Griff hat, sondern auch ein preisgekrönter Breakdancer, dessen athletischer Body seine Pirouetten in vielen Werbefilmen rund um den Globus dreht. In Frankfurt glaubte man bisweilen, die Regie habe eine alabasterfarbene Adonis-Statue zum Leben erweckt, die lässig Kostproben ihrer akrobatischen Skills aus dem Köcher zaubert. Die Entfesselungs-Szenen mit Orliński im Zentrum und sein verzweifeltes Ringen mit der nachtschwarz gewandeten, dafür hochdramatisch auftrumpfenden Elizabeth Reiter als Armida gehörten zu den heißesten Premierenminuten des Abends. Psychologische Schärfe dieser Güte sucht auf Opernbühnen ihresgleichen. Im Zentrum zwei packende Sängerdarsteller, die aufs Ganze gehen und sich mit einer derart körperlichen Wucht in ihre Debüts werfen, dass man bisweilen das Atmen vergisst.
Der junge New Yorker Regisseur Ted Huffman gibt mit dieser, von Adam Weinert feinnervig choreografierten Arbeit sein beeindruckendes Deutschlanddebüt. (…)
(…) Hervorragende Rollendebüts gelingen auch Karen Vuong in der Rolle Almirenas, Brandon Cedel als ambivalenter Argante und Julia Dawson, die ihren langbärtigen Goffredo mit strahlkräftiger Höhe ausstattet. (…)

Bettina Boyens, Gießener Allgemeine Zeitung


(…) Am Ende gab es also fleißig Beifall zu verteilen, von dem auch die Regie völlig zu Recht minutenlang überzogen wurde.

Matthias Gerhart, Frankfurter Neue Presse


(…) Die Inszenierung ist perfekt durchchoreografiert, sie orientiert sich an barocken Tanznotationen und durchsetzt sie mit modernen Elementen. Damit bricht Huffman gleichzeitig die starre Struktur der Arien auf und hält alles in Bewegung. In Simone Di Felice hat er einen kongenialen Partner, der Händel biegsam und fließend dirigiert und ein großes Gespür für die Lyrismen der Partitur hat. Neben den Tänzern ist der Countertenor Jakub Józef Orliński der Mittelpunkt des Abends. Sein Rinaldo ist ein Wunder an körperlicher Biegsamkeit und an stimmlicher Eleganz. Die schmachtende Almirena von Karen Vuong und die giftige Armida von Elizabeth Reiter wollen ihn beide, aber nur eine bekommt ihn. Das ist irgendwie ungerecht, denn wir alle wollen Orliński.

Bernd Zegowitz, Rhein-Neckar-Zeitung Heidelberg

(…) Die unvermeidliche Dreiecksgeschichte, die sich (…) kammerspielartig ergibt, ist unwahrscheinlich, entwickelt punktuell aber doch einen bewegenden Tiefgang und ist mit feinem Humor gewürzt. Katharina Thomas Inszenierung ist auf der linken Bühnenhälfte naturalistisch und unverkopft. Sie lohnt den Besuch. Die Musik ist hörenswert schön und vom Museumsorchester und dem Dirigenten Rasmus Baumann ohne Kitsch dargeboten, die Sänger können ihren Stimmen den Gefallen tun, sich von ihrer besten Seite zu zeigen, und die Regie besorgt ein anregendes Kammerspiel, ohne der Handlung störende Zusatzhirngespinste aufzupfropfen. (…)

Markus Kuhn, Frankfurter Neue Presse
 

(…) Man ist am Ende dankbar dafür, dieses selten zu hörende Stück in einer szenisch derart eindringlichen und musikalisch adäquaten Form präsentiert bekommen zu haben. (…)

Michael Demel, www.deropernfreund.de

Es sei ganz einfach, Verdis Il trovatore zu besetzen: Man benötige dazu nur die vier besten Sänger der Welt. Das soll Enrico Caruso gesagt haben, selbst einer der besten. Und meist sind die Inszenierungen dann auch eher Feste schöner Stimmen als erhellende szenische Interpretationen. Die Oper Frankfurt hat für die Eröffnungspremiere der neuen Saison vielleicht nicht die besten Sänger der Welt, aber verdammt gute. Schlichtweg sensationell ist Elza van den Heever. Sie zeigt eine anfänglich mädchenhaft fragile Leonore, die ihr Geschick in die eigenen Hände nimmt, um sich am Ende völlig losgelöst von allem Irdischen zu opfern. Ihre Koloraturen sind agil, die vokalen Linien makellos, die Lyrismen schmerzlich- sehnsüchtig. Piero Pretti singt einen unprätentiös klagenden Manrico mit frischem Tenor, der das hohe C am Ende seiner berühmten Stretta singen darf und singen kann. (…) Brian Mulligan ist ein kerniger Luna, die kurzfristig eingesprungene Marianne Cornetti eine sichere Azucena. (…)

Bernd Zegowitz, Rhein-Neckar-Zeitung Heidelberg


(…) Vier gute, phasenweise auch sehr gute Sänger – dazu gesellten sich – mit Kihwan Sim (Ferrando) und Alison King (Leonoras Zofe Ines) – schöne Stimmen aus Ensemble und Opernstudio.
(…) Der von Tilman Michael einstudierte Chor sorgte für die berückendsten Momente des Abends, dem Nonnenchor im zweiten und, aus dem Off, dem „Miserere“ im vierten Teil. (…)

Andreas Bomba, Frankfurter Neue Presse


(…) In einem Interview deutet Bösch seine Sicht des Trovatore an, eine Verquickung aus Aktualität und Archaik, und die Rolle des Feuers. Es verbrennt, vernichtet, hypnotisiert, wärmt und lodert in den anachronistischen Figuren. Ob Graf, Troubadour, Unschuldsengel, Hysterikerin, Spießgesellen, Höriger spielt keine Rolle. Im Kern geht es um die Charaktere, besetzt vom Wahn aus entzogener Liebe, rasender Eifersucht und hasserfüllter Rache. Das rechtfertigt Böschs Idee. Er konzentriert sich auf den Konflikt zweier Gegner, die nicht wissen, dass sie Brüder sind. (…)
Am Pult des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters stand Jader Bignamini. Seine Laufbahn begann er als Klarinettist in Orchestern unter Dirigenten wie Riccardo Chailly. Seit 2010 steht er am Pult und überzeugt. Vor allem die Musiker. Auch in der Frankfurter Oper. Selten erlebte man Verdi so differenziert ausbalanciert, tiefgründend packend, dramatisch geschärft, aber auch spritzig rasant, was den gut disponierten Chor zu erhöhter Reaktionsschnelle herausforderte (…).

Christiane Franke, www.klassik.com


(…) Frankfurts Oper vollbringt ja regelmäßig Erstaunliches. Wenn dann aber eine Kandidatin für die Mezzo-Weltmeisterschaft erkrankt, wird es auch hier ganz eng. Insofern zeigte sich Intendant Bernd Loebe bei der Begrüßung des Publikums zum Saisonstart und der Ankündigung der Umbesetzung sichtlich erleichtert, die Amerikanerin Marianne Cornetti kurzfristig als Einspringerin für Tanja Ariane Baumgartner gewonnen zu haben. Noch vor ein paar Tagen habe sie in Pittsburgh die Baseball-Saison mit der Nationalhymne eröffnet. Wenn man ihr Volumen als Zigeunerin Azucena hört, glaubt man gerne, dass sie Stadien füllt. Über kleine Erosionserscheinungen wird man angesichts der Umstände weghören dürfen, zumal sie nebst mütterlichem Großformat nicht schlecht zum gebrochenen Charakter dieser tragischen Figur passen. (…)

Volker Milch, Wiesbadener Kurier


(…) Brian Mulligan gab den Luna mit edler, sonorer Stimmkraft, ohne mit dämonischen Facetten dieser Partie zu forcieren. Für die erkrankte Tanja Ariane Baumgartner war kurzfristig die versierte, gereifte Azucena-Darstellerin Marianne Cornetti aus Amerika eingesprungen, die ihren Part mit Ernst und Nachdruck absolvierte (…). Schlank und vokal beweglich der Manrico von Piero Pretti, der nicht erst seine „Stretta“ zum anstrengungslos tenorflammenwerferischen Phänomen gestaltete.
Diesmal geriet man, dank der Sopranistin Elza van der Heever, in Versuchung, die Oper in Leonora umzutaufen, denn diese Protagonistin war es, die (…) in den letzten Bildern dominierte, vor allem mit immer glühenderen Melodiewundern, intimste Gefühlsregungen himmelwärts ausfahrend und schier Sterne zum Schmelzen bringend. (…)
Blankgeputzt und akkurat das Opernhaus- und Museumsorchester mit dem Dirigenten  Jader Bignamini. (…)

Hans-Klaus Jungheinrich, Frankfurter Rundschau


(…) Mit der gewohnten musikalischen Brillanz startet die Oper die neue Saison mit Verdis Il trovatore.
(…)
David Böschs Inszenierung ist karg, intelligent, bilderstark. Daran herumzukritteln, hieße Korinthen picken.

Wertung: TOLL

Josef Becker, Bild Frankfurt


(…) Eine Lichtgestalt, natürlich Sopran, ist (…) Leonora, die vergeblich vom jungen Grafen und erfolgreich vom Outcast Manrico, dem Troubadour, begehrt wird. Wenn Elza van den Heever in der Partie dieser großen Liebenden vom Himmel singt, katapultiert sie das Premierenpublikum in den siebten Opernhimmel. Die Sopranistin sorgt mit dem prachtvollen Bariton Brian Mulligans als Graf Luna für die musikalisch stärksten Momente in dieser Koproduktion mit dem Royal Opera House Covent Garden. In London hatte David Böschs Inszenierung im Juli 2016 Premiere und brachte in Frankfurt nun unter der federnden, eher gedeckte Farben als das Grelle suchenden Leitung des italienischen Gastdirigenten Jader Bignamini eine Wiederbegegnung mit dem ehemaligen Ensemblemitglied, einer Leonora, die hier in idealer Weise Wärme und Kraft des Ausdrucks mit brillanter Höhe vereint. (…)

Volker Milch, Darmstädter Echo


(…) Erstaunlich, wie routiniert und gleichermaßen stimmlich einprägsam Einspringerin Marianne Cornetti ihre schwierige Partie [der Azucena] auch darstellerisch meistert. Eine weitere starke Frau ist Elza van der Heever, deren makelloser Sopran dramatisch zu forcieren versteht. Und da ist noch Tenorissimo Piero Pretti als Manrico, körperlich von kleiner Gestalt, aber mit großer Stimme, die auch das hohe C mühelos stemmt. (…)

Klaus Ackermann, Offenbach-Post


(…) Das mit düster gestrichelten Videos, kindlich gemalten Filmen und tristen Baumwoll-Blumen fesselnde Bühnenbild von Patrick Bannwart, das auf jede Volte von Verdis Musik klug reagieren konnte, zeigte am Sonntagabend durchaus poetische Augenblicke. (…)

Bettina Boyens, www.musik-heute.de


(…) Das Sänger-Quartett der vier Hauptrollen hat es in sich. Natürlich singt Tenor Piero Pretti (Manrico) in seinem Frankfurt-Debüt am Ende des dritten Akts das hohe C. Verdi hatte zwar nur ein G notiert, aber schon zu seinen Lebzeiten waren Experten der Meinung, hier müsse am Schluss ein hohes C her, was der Meister absegnete. Pretti schmettert die Heldennote im Brustton der Überzeugung in den Saal, legt sie über den im Forte singenden Chor und sorgt nach dem Schlussakkord des Orchesters für Nachhall. Bariton Brian Mulligan ist ein durchdringender Graf Luna, Elza van den Heever eine erfreulich unprätentiöse, aber sich bis in die höchsten Höhen aufschwingende Leonora. Die eigentlich für die Rolle der Azucena vorgesehene Tanja Ariane Baumgartner war erkrankt und wird von der zwei Tage vor der Premiere eiligst aus den USA eingeflogenen Marianne Cornetti routiniert ersetzt. Der Chor gehört wie immer zur Spitzenklasse.
Im Graben gibt Dirigent Jader Bignamini dem Frankfurter Opern- und Museumsorchester eine flotte Gangart vor. (…) Im Schlussakt arbeitet Bignamini die Spannungsbögen sauber heraus und nimmt sich gebührend Zeit. Das Orchester musiziert mit bestechender Eleganz. (…)

Manfred Merz, Gießener Allgemeine Zeitung

(…) Ebenfalls sehr glücklich gelangen die fünf delikat schönen Lieder von Francis Poulenc, in denen Brownlee Wehmut und Verletzlichkeit zart zum Ausdruck brachte. Das deutsche Klavierlied war passend durch den interessanten Spätromantiker Joseph Marx vertreten. Mit fünf urwüchsigen Liedern von Alberto Ginastera wurde die Grenzlinie zwischen Kunstlied und argentinischer Volksweise erreicht. Dann erklangen Vertonungen der anspruchsvollen Gedichte von Yeats und Joyce (…).
Brownlees Stimme konnte sich auch hier, zumal in seiner Muttersprache, vollkommen entfalten und in ihren Bann ziehen. Der Schritt von der klassischen Gesangstechnik zum Pop- und Gospel-Stil mit verzierenden Melismen in der Kopfstimme erfolgte im letzten Programmpunkt mit fünf Spirituals, bearbeitet und fixiert von Damien Sneed. Die ungekünstelt aufrichtigen religiösen Gesänge wirkten in der Authentizität und Natürlichkeit des US-Amerikaners befreiend und anrührend (…).
In drei hinreißenden Zugaben empfahl sich Brownlee als der Opernstar, der er längst ist: mit sicher herausgeschmetterten Spitzentönen der Arie „Ah! mes amis“ aus Donizettis Regimentstochter, mit viel Schmelz und Sensibilität in „Una furtiva lagrima“ aus Donizettis Liebestrank. Rossinis „La Danza“ setzte den turbulenten Schlusspunkt des Abends. Am Klavier begleitete und swingte der vielseitige Henning Ruhe mit Einfühlungsvermögen und sichtlicher Freude.

Markus Kuhn, Frankfurter Neue Presse

Zum Auftakt der neuen Spielzeit wurde Mozarts Die Entführung aus dem Serail am Frankfurter Opernhaus wieder aufgenommen. Christoph Loys Inszenierung von 2003 erwies sich einmal mehr als Klassiker im Repertoire.
(…)
Irina Simmes erlebte man als grazil-erhabene Konstanze, eine elegante, aber auch mit kraftvoller Stimme ausgestattete Künstlerin, bei der Männerherzen in Ausnahmezustände geraten. Es ist ja gerade nicht nur das Äußerliche dieser Frau, sondern ihr unbeugsamer Wille (und Charakter), der beim Bassa die Liebesnerven blank liegen lässt. Was natürlich auch für dessen menschliche Instinkte spricht. Gloria Rehm war dazu die passende Blonde: Kleiner, quirliger als Konstanze, auch (…) und direkter, aber nicht weniger glaubwürdig. Im zweiten Akt entwickelte Rehm besonders viele Sympathien – Andreas Bauer in der Rolle des ungestümen Osmin musste mächtig dagegen ansingen. Mit seinem kraftvollen Bass fing er allerdings genügend Aufmerksamkeit im Publikum ein. Generalmusikdirektor Sebastian Weigle führte den Taktstock souverän und brachte das Opern- und Museumsorchester mit klar und luftig vorgetragener Musik bestens zur Geltung.

Matthias Gerhart, Frankfurter Neue Presse


(…) Den hohen Stellenwert von Mozarts Die Entführung aus dem Serail wird auch dadurch deutlich, dass diese Wiederaufnahmeserie vom Frankfurter Generalmusikdirektor Sebastian Weigle höchst persönlich geleitet wird (alternierend mit Kapellmeister Nikolai Petersen). Zum Ende der Spielzeit 2016/17 war Weigle von der New Yorker Metropolitan Opera zum Dirigat für Aufführungen von Beethovens Fidelio und Straussʼ Der Rosenkavalier eingeladen worden. Mit diesem künstlerischen Erfolg im Nacken und mit der zurückliegenden Sommerpause führte er frisch gestärkt das Frankfurter Opern- und Museumsorchester zu einem spritzigen, lebhaften und die starken Emotionen der Figuren untermauerten Spiel an.
Viele Neubesetzungen gibt es bei dieser Aufführungsserie. Einzig der Schauspieler Christoph Quest ist von der Premierenserie 2003/04 noch dabei. Die Sprechrolle des Bassa Selim ist ihm sehr vertraut, dennoch vermeidet er Routine und gibt ihn mit großer Würde. Für sein finales Urteil über die Gefangenen, sein Appell an die Humanität der Menschen, gab es bei der besuchten Wiederaufnahmepremiere einen Zwischenapplaus (…).
Beim jungen Ensemblemitglied Michael Porter fällt nicht nur positiv auf, wie gut und deutlich der gebürtige US-Amerikaner inzwischen Deutsch spricht. Bei seinem Rollendebüt als Belmonts Bedienter Pedrillo gibt er sich souverän und mit hoher darstellerischer Präsenz (Arie „Frisch zum Kampfe, frisch zum Streite“). (…)

Markus Gründig, www.kulturfreak.de


(…) Mit großer Sorgfalt und Liebe zum Detail hat Ute M. Engelhardt das Regiekonzept mit sehr spielfreudigen Sängerdarstellern wiederbelebt. (…)
Insgesamt wird der Regie-Klassiker sorgfältig aufbereitet präsentiert. Man muss kein Prophet sein, um dieser Produktion noch ein langes Leben im Frankfurter Repertoire vorauszusagen.

Michael Demel, www.deropernfreund.de