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Oper Frankfurt
Meinungen, Anregungen
Vor Beginn der neuen Saison ist es an der Zeit, für die zurückliegende Spielzeit Dank zu sagen. Wenn man das (oft zweifelhafte) Vergnügen hat, regelmäßig das Angebot der selbstangemaßten „Opernhauptstadt“ Berlin mit den Leistungen der Oper Frankfurt zu vergleichen, dann wird einem erst bewußt, in welch glücklichem Ausnahmezustand sich die Mainmetropole derzeit befindet. Alles scheint hier zu stimmen: Die Wertschätzung und damit einhergehend eine auskömmliche finanzielle Absicherung durch die Stadtpolitik, der Weitblick und die Umsicht der Intendanz, spannende Regie und spielfreudige Sänger, leistungsfähige und hörbar engagierte Orchester- und Chormusiker und insgesamt eine spürbare Identifikation aller Mitarbeiter mit dem Haus. Die Zahl der Frankfurter Glücksmomente in der vergangenen Spielzeit haben alle drei Berliner Häuser zusammen nicht erzeugen können. Wo immer man hinschaute und hinhörte, überall hohes bis höchstes Niveau. Bedauerlich nur, daß man wegen der Wiederaufnahmen nicht „Opernhaus des Jahres“ werden kann: „Frau ohne Schatten“ mit festspielwürdiger Besetzung, „Zauberflöte“ mit der Traumkonstellation Karg/Behle/Kränzle, regelrechte Galavorstellungen von „Don Carlo“, ein auch in der Wiederaufnahme exzeptioneller „Billy Budd“ – welch ein Kontrast zur trostlosen Repertoireverwaltung etwa an der Deutschen Oper Berlin. Wie frisch wirkten auch immer noch Cortis „Traviata“ (mit einer fabelhaften Lisnic) und Hilsdorfs Mefistofele-Bilderbogen, wie sorgfältig war Loys „Tito“ wiedereinstudiert, wie beeindruckend rund gelang die Reprise von Nels „Parsifal“.
Und erst die Premieren: Allein mit „Tempest“ und „Owen Wingrave“ hat sich Frankfurt wieder als eines der führenden Häuser im deutschsprachigen Raum präsentiert. Spätestens aber mit der szenisch und musikalisch sensationellen „Daphne“ sollte Frankfurt Bieitos Trash-Parsifal in Stuttgart und Neuenfels‘ Lear an der Komischen Oper Berlin (der Frankfurter Lear war szenisch dichter und musikalisch um Längen besser) die Mitkonkurrenten um die Auszeichnung für die beste Gesamtleistung aus dem Rennen geschlagen haben. Der kammermusikalisch-hellwache und szenisch wortwörtlich „runde“ Ring-Auftakt ließ Vorfreude auf die weiteren Teile aufkommen. Kupfers opulentes „Faust“-Resümee war sehr ansehnlich und sängerisch auf gewohnt hohem Niveau besetzt (indes ließ das Orchester hier seine sonstige Farbigkeit und Plastizität etwas vermissen). Musikalische Feste feierte die Frankfurter Oper obendrein mit den beiden konzertanten Aufführungen von „Anna Bolena“ und vor allem von „La Rondine“.
Man erwischt sich angesichts dieser Kette von Höhepunkten dabei, solche Aufführungen weniger zu würdigen, die an einem „normalen“ Haus zu den Spitzenerzeugnissen zählen würden: ein „bloß“ unterhaltsam inszenierter (und dabei vorzüglich musizierter) „Orlando“, eine zwar rollendeckend besetzte „Cosi“, bei der man aber eben immer noch Kränzle, Nagy und vor allem Behle als Vergleichsmaßstab im Gedächtnis hat, oder ein szenisch solider „Nabucco“, immerhin mit Lucic in der Titelrolle und einer großartigen Chorleistung.
Also keine Wünsche offen? Vielleicht den, daß Alfred Kim seinen „Hoffmann“ differenzierter anlegen möge als seine sonstigen Rollengestaltungen im Hochdruck-Forte, oder den, daß Kränzle demnächst wieder öfter in Frankfurt zu hören sein möge (um nicht immer seinetwegen nach Köln fahren zu müssen), oder auch den, daß Daniel Behle uns nicht verloren geht, Zeljko Lucic und Joseph Calleja wieder öfter mal vorbeischauen und bitte Calixto Bieito (nach seinem Macbeth) nie wieder die Gelegenheit bekommt, seine kaputten Sexualphantasien in Frankfurt auszuleben und wir auch weiterhin von verquasten Neuenfels-Revuen verschont bleiben.
Michael Demel
z. Zt. Berlin, Sonntag, 25.07.2010, 19:50:40
Sehr erfreulich, dass sie nunmehr mit bewegten Bildern über Ihre so erfolgreiche Arbeit informieren. Den Aussagen von Steffen Seibert kann ich nur zustimmen. Einen schönen Dank für diese Art der musikalischen Späterziehung.
Jörg Barenscher
Fulda, Dienstag, 20.07.2010, 22:57:19
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Oper extra
Sonntag 29.08.2010 11:00 Uhr
Holzfoyer
