DIE PASSAGIERIN
Wiederaufnahme

DIE PASSAGIERIN
Miecyslaw Weinberg
1919 - 1996

Oper in zwei Akten, acht Bildern und einem Epilog Libretto von Alexander Medwedew nach der gleichnamigen Novelle von Zofa Posmysz
Szenische Uraufführung am 19. Juli 2010, Bregenzer Festspiele

Frankfurter Erstaufführung
Mehrsprachig mit deutschen Übertiteln


Zum Werk

Du sollst nicht vergessen, lautet ein Gebot, das im Dekalog fehlt. Es lebt sich aber schlecht unter dem Schrecken eines penetrant wiederkehrenden Albtraums. Das gilt für die einst Verfolgten nicht minder als für deren Verfolger. Irgendwann stoßen die Dinge, darin einem Drama Ibsens gleich, erneut an die Oberfläche. Nichts von dem, was war, geht verloren. Hiervon handelt die Oper des von den totalitären Szenarien des 20. Jahrhunderts gezeichneten polnisch-jüdischen Komponisten Weinberg. Ihr Ende führt uns an einen großen Fluss. Auf einem Stein am Wasser sitzend, erinnert sich Marta, einst Gefangene des Vernichtungslagers Auschwitz, an die Schreckenszeit. Ihr gegenwärtiger Feind ist das Vergessen, das endgültige Verstummen der Stimmen der toten Gefährtinnen und Gefährten: »Wenn eines Tages eure Stimmen verhallt sind, dann gehen wir zugrunde…«
Die Passagierin, komponiert nach dem Roman der ehemaligen KZ-Insassin Zofia Posmysz, spielt auf einem Ozeandampfer. Die Handlung aber führt immer wieder zurück in die Hölle des Lagers. Zwei Frauen, die einstige Aufseherin Lisa und die Gefangene Marta begegnen sich Ende der 1950er Jahre auf dem Deck des nach Brasilien fahrenden Schiffes. Plötzlich ist alles wieder da: Das Szenario der Gegenwart verschränkt sich mit dem der Vergangenheit, die Schiffsirene wird zur Lagersirene, die Kajüte zur Baracke, die Salonkapelle zum Lagerorchester. Hinter der Wiederbegegnung der beiden Frauen liegt aber auch eine grausam zum Ende gebrachte Liebesgeschichte, eine Liebe, die starb vor der Zeit.
Weinbergs Musik, bei allem Ausdrucksreichtum an der Tonalität festhaltend, wurde auch in der Sowjetunion, wohin er vor den Nazis geflüchtet war, lange repressiv behandelt. Die szenische Uraufführung des Werkes, in dem deutsche, polnische, russische, jiddische und französische Worte die Sprachwelten des Unheilsortes widerspiegeln, fand erst im Juli 2010 anlässlich der Bregenzer Festspiele statt und wurde so dem organisierten Vergessen entrissen.


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Termine

Samstag 10.03.2012

Weitere Termine:
18.03.2012  | 01.04.2012  |
06.04.2012  | 09.04.2012

Mitwirkende

Musikalische Leitung
Friedemann Layer
Regie
Keith Warner
Szenische Leitung der Wiederaufnahme
Hans Walter Richter
Bühnenbild
Boris Kudlička
Kostüme
Kaspar Glarner
Licht
Davy Cunningham
Dramaturgie
Norbert Abels
Video
Thomas Wollenberger
Chor
Matthias Köhler

König Lear
Tómas Tómasson
König von Frankreich
Thorsten Grümbel
Herzog von Albany
Kihwan Sim
Herzog von Cornwall
Michael McCown
Graf von Kent
Hans-Jürgen Lazar / Victor Tsevelev
Graf von Gloster
Johannes Martin Kränzle
Edgar, Glosters Sohn
Martin Wölfel
Edmund, Bastard Glosters
Hans Schöpflin
Goneril, Tochter König Lears
Jeanne-Michèle Charbonnet
Regan, Tochter König Lears
Caroline Whisnant
Cordelia, Tochter König Lears
Britta Stallmeister
Narr
Graham Clark
Bedienter
Victor Tsevelev
Ritter
Nicolai Klawa

Herrenchor der Oper Frankfurt
Frankfurter Opern- und Museumsorchester



* Mitglied des Opernstudios

 
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