Oper Frankfurt

Begleitveranstaltung zur Premiere von Berlioz´ Fausts Verdammnis


Hector Berlioz war, wie der große Opernhistoriograf Oskar Bie schrieb, »ein Mann zwischen den Zeitaltern«. Noch in die Zeit Beethovens hineingeboren, greift er in seinem Werk weit voraus und nimmt Phänomene der Moderne vorweg. Noch heute hat seine Musik verstörende Kraft, noch immer ist die Begegnung beispielsweise mit seiner Symphonie fantastique eine überwältigende Erfahrung. Die Rückwärtsgewandtheit der Romantik und der Durchbruch und Fortschritt verklärende Enthusiasmus des materialistischen Jahrhunderts vermischen sich in seinem Schaffen: »voll geschichtlicher Ehrfurcht und doch der nervösesten modernen Erregung zugänglich«.

Poesie und Musik waren ihm eins. Wie sein deutsches Pendant E. T. A. Hoffmann war er ein Grenzgänger zwischen den Künsten. Töne galten ihm als Expressionen von Ideen. Seine Dramatik speiste sich aus symphonischen Quellen, seine Tonsprache aus szenischen Elementen. »Die Musik hat weite Flügel, die sie in den Mauern eines Theaters nicht ganz entfalten kann«, sagte Berlioz selbst. Keine herkömmliche Gattung konnte ihm für seine Konzeptionen genügen. Jedes seiner größeren Werke steht quer zu den üblichen Formaten: Oper, Sinfonik, Oratorium, Kammermusik, Lied, Melodram vereinen sich in ein und demselben Stück, musikalische Ereignisschichten überlagern sich zu polyrhythmischer Klanginszenierung.

Wie Victor Hugo es in seinem manifestartigen Vorwort zu Cromwell forderte, zielte Berlioz in seinem Schaffen mit ungeheurem Elan der subjektiven Freiheit auf »die Vereinigung des Erhabenen mit dem Grotesken«. Sein eigenes Leben diente ihm - in scharfer Selbstbeobachtung - zur Inspiration, und viele seiner Kompositionen werden zu halb dramatischen, halb romanhaften, aber durchweg fantastisch-abgründigen Selbstinszenierungen, in denen er geradezu rücksichtslos das Ich des Künstlers proklamierte.

Seit den Trojanern in der legendären Inszenierung von Ruth Berghaus im Jahre 1983 stand bis heute kein Opernwerk des durch und durch literarischen Komponisten - »mein Leben ist ein Roman, der mich sehr interessiert« - auf dem Spielplan der Oper Frankfurt. Nun hat Harry Kupfer, ein weiterer großer Altmeister des Regietheaters im besten Sinne, die szenische Leitung von Berlioz´ letzter Oper Fausts Verdammnis übernommen. Ein Grund für uns, dem Leben und dem Werk des exzentrischen Tonsetzers nachzugehen und ihn neben seiner Arbeit als Komponist auch als kritischen Analytiker, als Reiseschriftsteller und Verfasser einer der fesselndsten Autobiografien seines Säkulums kennenzulernen.
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Oper extra
Sonntag 29.08.2010 11:00 Uhr
Holzfoyer

Nächste Premiere:


MEDEA
Aribert Reimann
Sonntag 05.09.2010 18:00 Uhr
Opernhaus

Video


Anlässlich der geplanten Webtrailer zu den künftigen Neuproduktionen präsentiert die Oper Frankfurt hier zunächst einen Auftaktfilm!
Viel Spaß beim Anschauen (Dauer ca. 7 Minuten).
 
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