Happy New Ears
Manche Zitate sind so schlagkräftig, dass sie ein Eigenleben und durch vieltausendfachen Gebrauch beinahe eine mythische Aura entwickeln. Happy New Ears ist solch ein Zitat. John Cage hat es geprägt und mit ihm einen Essay betitelt, in dem er aufforderte, bei der Wahrnehmung eines Kunstwerks keinen Einfluss auf die Sinne auszuschließen: ein Manifest über die Lebendigkeit und Wandelbarkeit aller Kunst, eine Forderung nach dem aktiven Hörer, ein Appell zu Mut am gemeinsamen, einzigartigen Erlebnis. Kein Zitat könnte besser passen für die Reihe, die 1993 von der Oper Frankfurt mit dem Ensemble Modern ins Leben gerufen wurde. In diesen Werkstattkonzerten stellen die zumeist persönlich anwesenden Komponisten Schlüsselwerke ihres Schaffens vor und geben Auskunft über den Entstehungsprozess und ästhetische Zusammenhänge, Kompositionstechniken und Aufführungspraxis: ein authentischer, vertiefter Zugang zur zeitgenössischen Musik in großer Bandbreite, der die Vielfalt unserer Zeit widerspiegelt. Mit dem Abonnement Happy New Ears können Sie vergünstigt Karten für alle vier Veranstaltungen buchen.
Das Ensemble Modern wurde 1980 gegründet und zählt zu den weltweit führenden Ensembles für Neue Musik. Seine einzigartige Arbeits- und Organisationsweise und eine unverwechselbare programmatische Bandbreite zeichnen diesen Klangkörper aus. In Zusammenarbeit mit Komponisten werden jedes Jahr 70 Werke, darunter etwa 20 Uraufführungen, neu erarbeitet. Jährlich gibt das Ensemble ca. 100 Konzerte bei renommierten Festivals und Spielstätten von Oslo bis Rom, in Japan und den USA. Das Ensemble Modern wurde 2003 von der Kulturstiftung des Bundes zu einem »Leuchtturm« zeitgenössischer Kultur in Deutschland erklärt.
Neben der Reihe Happy New Ears beginnt mit dieser Spielzeit eine weitere Kooperation zwischen der Oper Frankfurt und dem Ensemble Modern, innerhalb derer mehrere szenische Projekte als Ur- oder Zweitaufführungen im Bockenheimer Depot präsentiert werden sollen. Als erste Premiere in diesem Vorhaben wird im Juni 2010 der Abend Offene Wunden aufgeführt - eine Kombination aus dem Mahagonny-Songspiel und Die WUNDE Heine, einem neuen, eigens für diesen Anlass konzipierten Stück von Helmut Oehring und Stefanie Wördemann. Die enge Verbindung der beiden Institutionen soll damit auf eine neue Ebene gehoben und das ehemalige Straßenbahndepot an der Universitätsbibliothek als Spielstätte zu einem Zentrum der musiktheatralischen Avantgarde in Frankfurt gestärkt werden.
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